Alfredo Barsuglia (AT)

Wenn Äpfel in die Decke fallen, 2016

Installation
Holz, Leuchtstoffröhre, Äpfel, Kopfhörer, Tonspur, variable Größe
Courtesy: Galerie Zimmermann Kratochwill, Graz; Projektraum Viktor Bucher, Wien

„... ist Ihnen schon einmal die Decke auf den Kopf gefallen?“ Dies ist keine fertige Kunstinstallation im üblichen Sinn, sondern vielmehr das Setting für eine Aufführung, in der die BesucherInnen selbst zu PerformerInnen werden. Nehmen Sie also den Kopfhörer und befolgen Sie die Handlungsanweisungen des Künstlers, denn es lohnt sich, die Dinge einmal verkehrt herum zu betrachten und eine andere Perspektive einzunehmen!

Alfredo Barsuglia spielt mit unserer Wahrnehmung von Räumen und deren vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten. Seine Arbeitsweise kann mit der eines Regisseurs oder Choreografen verglichen werden, da er oftmals das Publikum in seine Inszenierungen miteinbezieht.

*1980 in Graz (AT), lebt und arbeitet in Wien.
www.alfredobarsuglia.com

Photo: Otto Saxinger

Clemens Bauder & Markus Reindl (AT)

Nachtmaschine, 2017

Installation für UNTEN
Holz- und Metallkonstruktion, Motor, Gummibänder, Licht- und Audioanlage

Wenn sich im Morgengrauen die Clubtüren schließen, wird die Nacht in der Nachtmaschine „eingesperrt“. Sie vertritt bei Tag den interdisziplinären Club UNTEN* und steht symbolisch dafür, was an 23 Abenden in einem Programm zwischen Rauminstallation, Performance und Clubkultur entsteht. Was nächtens passiert, kann tagsüber nur schemenhaft erahnt werden.

*UNTEN ist ein von Clemens Bauder, Julia Ransmayr und Markus Reindl kuratierter, interdisziplinärer Nachtclub im ehemaligen U-HOF Theaterkeller. Als Teil von SINNESRAUSCH ALICE verdrehte Welt, entführt er die BesucherInnen jeden Freitagabend in fantasievolle Welten, in denen die Geschichte von Alice als Teil des Nachtlebens interpretiert wird. So entsteht ein Projektteil der Ausstellung, der zu regulären Öffnungszeiten als Setting bzw. nur als auf Zeit verwandeltes Clublokal besichtigt werden kann.

*UNTEN kuratiert von:
Clemens Bauder *1986 in Linz (AT), lebt und arbeitet dort.
www.clemensbauder.net
Julia Ransmayr *1985 in Linz (AT), lebt und arbeitet dort.
Markus Reindl *1979 in Freistadt (AT), lebt und arbeitet in Linz.
www.reindl.xyz


Jürg Conzett (CH)

Stegsystem für Dachboden, 2017

Holzkonstruktion
Auftragsarbeit: OÖ Kulturquartier

Mit großer Rücksicht auf die historische Bausubstanz führt der Schweizer Baukünstler Jürg Conzett mit neuen Brücken und Stegen durch die Dachböden des Ursulinenhofs und der Ursulinenkirche. Die zurückhaltende architektonische Intervention in das bestehende Wegesystem fügt sich in die barocke Architektur und unterstreicht die Eigenheiten der Räume – insbesondere das nun ringförmig zu begehende Tonnengewölbe der Kirche.

Das Büro Conzett Bronzini Partner aus Chur hat bereits für den HÖHENRAUSCH 2011 zwei spektakuläre Brücken zum Nordturm der Ursulinenkirche entwickelt. Diese „Brücken in den Himmel“ folgten dabei einer unmittelbar praktischen Zweckbestimmung als Parcours, ebenso wie sie den Moment des Verbindens des bislang Getrennten als Dialog inszenierten.

*1956 in Aarau (CH), lebt und arbeitet in Chur.


Carnovsky (IT)

RGB (Jungla n. 1) 2010/2017

Farbtapete

Die Art und Weise, mit der hier Drucktechniken und Lichteffekte kombiniert werden, erschafft eine kaleidoskopisch wirkende Welt, die nie zu ruhen scheint – Linien und Farben überlagern sich, lassen die BesucherInnen in eine Art Paradiesgarten eintauchen und immer wieder neue Tiergestalten und Pflanzen entdecken. Wie Alice kommt man aus dem Staunen kaum heraus.

Als Silvia Quintanilla und Francesco Rugi 2007 das Kunst- und Designstudio Carnovsky gründeten, bestand ihr Anspruch darin, zwei Welten zu vereinen: Industriedesign und Kunstgeschichte. Ihr bisher größter Erfolg, die RGB-Wallpapers Reihe, versinnbildlicht dieses Zusammenspiel von Design und Kunst in einzigartiger Weise.

Silvia Quintanilla *1979 in Bogotá (CO) & Francesco Rugi * in Toskana (IT), leben und arbeiten in Mailand (IT).

Photo: Otto Saxinger

Cosima von Bonin & Moritz von Oswald (DE)

THE BONIN / OSWALD ­EMPIRE‘S ­NOTHING # 04 (CVB‘S PURPLE ­KIKOY SLOTH RABBIT ON PINK ­TABLE & MVO‘S KIKOY SONG), 2010

Mixed Media Installation
Größe und Material variabel
Courtesy: Kunsthaus Bregenz

Der sonst so ruhelose Hase liegt untätig einfach nur herum – das aufgestickte Wort „SLOTH“ (englisch: Trägheit, Faultier) präsentiert er provokant auf seinen Fußsohlen. Begleitet von einem entspannten Musikstück Moritz von Oswalds, einer Techno-Ikone der 1990er-Jahre, feiert Cosima von Bonin mit ihrem überdimensionalen Stofftier Erschöpfung und Müßiggang.

Denn der vorherrschende Leistungsdruck macht auch vor KünstlerInnen nicht Halt. Die Angst vor dem Scheitern, Selbstzweifel und vor allem Faulheit haben am Kunstmarkt, der permanente Produktivität und Kreativität fordert, nichts zu suchen. Mit schelmischem Humor erteilt Cosima von Bonin diesem Credo eine Absage.

*1962 in Mombasa (KEN), lebt und arbeitet in Köln (DE).
Moritz von Oswald, *1962 in Hamburg (DE), lebt und arbeitet in Berlin (DE).

Photo: Otto Saxinger

Claudia Czimek (AT)

Flos Ferri – down, down you will find ..., 2017

Installation
Mit freundlicher Unterstützung der VA Erzberg und EisenerZ*ART

„Die Eisenbliah ist philosphisch gesehen wie ein Tier, das sich mit Wärme und Bewegung im Raum ausbreitet“.*

*ein Mitarbeiter der VA Erzberg

Der Erzberg samt seinen realen und fiktiven Geschichten ist der Ausgangspunkt eines Schöpfungsmythos der plastischen Welten von Claudia Czimek. Die Eisenblüte (lat. Flos Ferri), ist ein wertvolles und unter besonderen Bedingungen entstandenes Mineral. Diese steirischen Eisenblüten sind mutiert, wurden Dank einer mysteriösen Erscheinung aufgefunden und werden nun im alchemistischen Labor weiterbehandelt. Interessanterweise entstehen dabei neue animalisch-vegetative Lebensformen von metallischer Charakteristik, wobei offen ist wie sie sich weiter entwickeln werden.

Frei nach Ernst Blochs “Der Wunsch baut auf und schafft Wirkliches, wir allein sind die Gärtner des geheimnisvollen Baums, der wachsen soll” inspirieren die Künstlerin Gegenstände und Erzählungen zur Umformung des Vorgefundenen in persönliche Welten und bizarre Geschichten. Alltägliches wird in Magisches und Humorvolles umgewandelt und beflügelt die Fantasie.

*1975 in Graz (AT), lebt und arbeitet in Linz, Katsdorf und Eisenerz.
www.claudiaczimek.com

Photo: Otto Saxinger

depart (AT)

The Lacuna Shifts, 2017

Trailer (Virtual Reality Installation)
Videoprojektion, Ton
Auftragsarbeit: sound:frame, Wien & OÖ Kulturquartier

Virtual Reality Installation
Headset, Holzkonstruktion, Spiegel
VR-Environment, 5'‒8'
Auftragsarbeit: sound:frame, Wien & OÖ Kulturquartier

Mit dem Anlegen der VR-Brille startet die Reise an einen Ort „hinter dem Spiegel“, der sich fortwährend auf seltsame Art und Weise verändert. Mittels fantastischen und surrealen Inhalten führen Bild-, Ton- und Textebene auf eine faszinierende, poetische Spielwiese der Imagination. Die Steuerung dieser Erfahrung liegt im wahrsten Sinne des Wortes im Auge der Betrachtenden. Denn der Blick spielt eine tragende Rolle in diesem intensiven Abenteuer, im Wunderland der sprechenden Dinge und beweglichen Wände.

Die Texte Lewis Carrolls („Alice's Adventures In Wonderland“ und „Through The Looking Glass“) dienten als Inspiration für die Virtual Reality Installation The Lacuna Shifts. Durch die Verwendung von Realtime 3D Environments entsteht eine Welt, die sich bei jedem Besuch leicht verändert darstellt. Selbst zwei Durchgänge präsentieren sich nie exakt gleich, auf dieser wandelbaren Bühne mysteriöser Ästhetik, im Spannungsfeld zwischen trügerischer Raumwahrnehmung, akustischer Halluzination und hermetischen Wortspielen.

Leonhard Lass *1978 in Linz (AT) & Gregor Ladenhauf *1978 in Wien (AT), leben und arbeiteten in Wien.

Photo: Otto Saxinger

Simone Decker (LU/DE)

Whitening (Mäntel), 2005

Objekte
Retroreflektierendes Gewebe, Reißverschlüsse, Garn

Bekleidung als Blendwerk? Mäntel aus reflektierendem Material können hier – ganz im Sinne der verdrehten Welt – nicht wie sonst draußen, sondern auch drinnen getragen werden. Sie wirken wie herkömmliche Regen- oder Schutzmäntel, doch trägt man sie an Orten mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen, verändert sich ihr Erscheinungsbild.

Sie können grau und matt, aber auch silbern glänzend anmuten und lässt man sich in ihnen mit Blitzlicht fotografieren, wird man regelrecht von ihrem grellen Strahlen überblendet.

Das steife Material und seine klobige Verarbeitung verweisen darauf, dass diese – wie jede – Kleidung unsere Bewegung, unser Verhalten und unsere Identität beeinflusst. Die 2005 entstandene Serie von Textilien erfährt in Zeiten des Selfie-Kults und der permanenten Veröffentlichung des Privaten eine zusätzliche Bedeutungsebene.

*1968 in Esch-sur-Alzette (LU), lebt und arbeitet in Frankfurt/Main (DE).
www.simonedecker.com

Photo: Otto Saxinger

Richard Eigner (AT)

KÖNIGIN – eine Quadrofonie 2017

Dreiteilige Klanginstallation
Loop, unterschiedliche Längen
Text: Charlotte Luise Fechner
Musik &Komposition: Richard Eigner
Kyma Prozessierung : Gustav Scholda
Stimmen: Judith Mahler, Julia Carina Wachsmann, Elena Wolff, Adrian Hildebrandt
Einstudierung & dramaturgische Betreuung: Julia Ransmayr
Auftragsarbeit: SCHÄXPIR – Theaterfestival für junges Publikum & OÖ Kulturquartier

Ausgehend von einem Textgeflecht der Autorin Charlotte Luise Fechner, das von den Absurditäten des Wunderlandes, aber auch unserer alltäglichen Welt erzählt, entwickelt der Audiokünstler Richard Eigner drei Klanginstallationen. Ein aberwitziges Klangfarben-Sammelsurium erzählt von der Identitätssuche in einer verdrehten Welt.

Das Ticken zahlreicher Uhren verwandelt sich zu einem brüchigen Stimmfaden oder überdimensionalen Knurren, gestrichene Marimba-Klänge treten in einen Dialog mit Bienensurren und Windgeräuschen. Ton, Raum und Zeit verschwimmen auf mehreren Ebenen und werden zum Raumerlebnis, das sich vom Eingangsbereich, über den Außenraum bis zu einer Installation im Lift spannt.

*1983 in Linz (AT), lebt und arbeitet in Wien und Linz.
richard.ritornell.at


Karin Fisslthaler (AT)

Alice Remixed, 2017

Videoinstallation
Doppelprojektion, 4:3, Farbe, Ton
10'17", Loop
Auftragsarbeit: OÖ Kulturquartier

So wie die Gestalt von Alice im Wunderland einer ständigen Transformation unterworfen ist, so hat sich auch ihre Darstellung in Büchern, Filmen, Comics und Computerspielen je nach Genre und den technischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit stark verändert. Karin Fisslthaler setzt sich hier also in mehrfacher Hinsicht mit dem Verwandlungspotential des Körpers und einer aufgesplitterten Identität auseinander.

Die Musikerin, bildende Künstlerin und Filmemacherin hat sich eigens für diese Ausstellung intensiv mit der (Medien-)Geschichte von Alice beschäftigt und zeigt das Ergebnis in Form einer Videoinstallation, die ähnlich einem aufgeschlagenen Buch oder zwei gegenüberliegenden Spiegeln aufgebaut ist. Parallel zu der Materialcollage, in der sich Körper und Identitäten von Alice mehrfach transformieren, doppeln und auflösen, schieben sich auch assoziative Textsplitter ins Bild: ein Remix von Zitaten aus Lewis Carrolls Alice-Roman und Texten des französischen Philosophen Michael Foucault („Heterotopien“ und „Der Utopische Körper“).

*1981 in Oberndorf (AT), lebt und arbeitet in Wien.

Photo: Otto Saxinger

Jean François Fourtou (FR)

Sans titre (Série Jean-Jacques) 2007

Sans titre (Série Jean-Jacques) / Ohne Titel (Jean-Jacques Serie), 2007
6 C-Prints aus seiner Serie von 9, 60 x 80 cm je / each
Courtesy: Galerie Mitterrand, Paris

Jean-François Fourtous Räume entstehen aus gedanklichen Skizzen seiner frühesten persönlichen Erinnerungen. Er gewährt intime Einblicke in eine fast magische Welt verdrehter Maßstäbe zwischen Kind- und Erwachsensein. Die Bildreihe vereint und überlagert Proportionen in einer für den Künstler typischen fantastischen Weise, die eigentlich Unmögliches möglich erscheinen lässt.

Damit frischt er auch eigene Erinnerungen an die Kindheit auf ‒ wie die faszinierende Unterseite des großen Esstisches, den unmöglich zu erklimmenden Stuhl oder den schier endlos erscheinenden Sprung vom elterlichen Bett.

*1964 in Paris (FR), lebt und arbeitet in Marrakesch (MA).
www.jffourtou.com

Photo: Otto Saxinger

Heribert Friedl (AT)

semipermeable (5 doors) 2017

Bleistift und verschiedene Duftlasuren auf Wand

Kaum sichtbar heben sich leicht glänzende Formen von der matten Wand ab. Diese perspektivischen Wandmalereien erscheinen als Abfolge von sich immer weiter öffnenden Türen – in imaginäre Klassenzimmer, des aus den 1930-er Jahren stammenden Schulbaus. Durch das Anreiben der Duftlasuren öffnet sich ein Tor in die Vergangenheit: eine Anmutung von Kindheit erschließt über den Geruchssinn den Bogen von der Geschichte des Hauses bis zur eigenen Erinnerung. Kein anderer Sinn greift so unmittelbar in den Schatz unserer Erinnerungen ein, wie der Geruchssinn.

Wie in vielen seiner ephemeren, olfaktorischen „nonvisualobjects“ reagiert Heribert Friedl auf den Kontext, die imaginäre, dem Raum eingeschriebene Geschichte und verleitet dazu die reine Kunstbetrachtung zu verlassen. Erst das Publikum vollendet durch Interaktion die Arbeit. Ein Hauch von Kaugummi oder Kinderbrause breitet sich aus und ruft Bilder aus der Erinnerung hervor, um sich im selben Augenblick auch wieder zu verflüchtigen.

*1969 in Feldbach (AT), lebt und arbeitet in Wien.
www.nonvisualobjects.com

Photo: Otto Saxinger

Markus Hanakam & Roswitha Schuller (DE/AT)

Mobile, 2017 | Pattern Coral Pink, 2016 | Les Tartes, 2011–2017

Mobile, 2017
Digital Film
Stereo, Colour
8', Loop
Courtesy: Markus Hanakam & Roswitha Schuller; Galerie Krinzinger, Wien

Pattern Coral Pink, 2016
Digitale Vektorgrafik
Courtesy: Markus Hanakam & Roswitha Schuller; Galerie Krinzinger, Wien

Les Tartes, 2011–2017
La Tarte Waldmeister, La Tarte Honey Crunch, La Tarte Bienenstich, La Tarte Zitronenkäsesahne, La Tarte Esterhazy, La Tarte Violette, La Tarte Cherry, La Tarte Noisette
8 Möbelobjekte, Birke-Sperrholz, Furnier, Kunstleder
50 x 90 x 45 cm je
Courtesy: Markus Hanakam & Roswitha Schuller

Les Tartes sind das Produkt einer andauernden Beschäftigung des Künstlerduos mit Dessertoberflächen und Toppings (Garnierungen). Deren eigenwilligen Form- und Farbwelten übersetzen sie u. a. in Kleinmöbel – tauglich für die Mad Tea Party aus dem Wunderland.
Das Video Mobile führt kleinteilige, aus Fundstücken zusammengefügte Kunststoffobjekte in einer Art Produktpräsentation vor. Die als Platzhalter oder imaginäre Spielfiguren fungierenden „Knubbels“ symbolisieren hier wegweisende Erfindungen der Menschheitsgeschichte und sind auch Teil der Wandgestaltung. Sie stehen, eingefügt in das sich wiederholende Tapetenmuster, für die grenzüberschreitende Verbindung von realer, digitaler und imaginärer Welt.

Markus Hanakam und Roswitha Schuller arbeiten im Feld von Video, interaktiven Computerspielen und Zeichnung, wobei sie wie Trickster (Trickbetrüger) gern die Grenzen zur angewandten Kunst und zum Design überschreiten und spielerisch Aspekte der Populär- und Konsumkultur in andere Formen überführen.

Markus Hanakam *1979 in Essen (DE) & Roswitha Schuller *1984 in Friesach (AT), leben und arbeiten in Wien (AT).
www.hanakam-schuller.com


Kurt Hentschläger (AT/US)

SOL

Audiovisuelle Installation, Dunkelheit, LED Wand, Surround Sound System
Raumabhängige Dimension
Auftragsarbeit: OÖ Kulturquartier & CTM Festival, Berlin
Kurator in Berlin: Isabelle Meiffert
Management: Richard Castelli / Epidemic
Produktionsassistenz Chicago: Pablo Monterrubio Benet, Yan Zhou
Technische Leitung Touring: Alexander Boehmler
SOL beim CTM 2017 wird unterstützt durch das Österreichische Kulturforum und ENCAC

SOL ist eine umfassende körperliche Erfahrung: eine raumgreifende, audiovisuelle Installation mit einem dröhnenden Surround-Sound-Scape, in dem sich Field Recordings in einem Meer von Infra-Bass-Mustern mischen. Die Installation baut auf völliger Dunkelheit auf, die für Sekundenbruchteile durch Sequenzen aufblitzender Animationen durchbrochen wird. Bewegte Bilder klingen in den dunklen Pausen nach, bis die inneren Nachbilder von der nächsten Lichteruption überlagert werden. Das immersive Environment führt die BesucherInnen im Wechsel zwischen Sinnes-Entzug und Stimulation direkt in die Mechanismen ihres eigenen Wahrnehmungs­apparats.

Kurt Hentschläger, geboren in Linz und aktuell in New York lebend, erlangte als Teil des Künstlerduos „Granular Synthesis“ große Bekanntheit. Zuletzt hat der Künstler 2008 die Installation ZEE für das OK Offene Kulturhaus entwickelt, die immer noch international gezeigt wird. Dieses Expanded Cinema, ein Wahrnehmungserlebnis der Extraklasse, hat er eigens für das OK und den bekannten Berliner Club & Halle am Berghain geschaffen.

*1960 in Linz (AT), lebt und arbeitet in New York (US).
www.kurthentschlager.com

Öffnungszeiten: 
Do17.30 - 20.00
Fr17.30 - 21.00
Sa, So10.00 - 21.00

Sollte die Installation bei Ihrem Besuch geschlossen sein, können Sie mit Ihrem SINNESRAUSCH Ticket zu einem anderen Zeitpunkt wieder kommen.
Eintritt SOL (ohne SINNESRAUSCH): € 2,-

Photo: Otto Saxinger

Stephan Huber (DE)

Ichkuppel, 1995

Filz, Leder, glasfaserverstärktes Kunstharz, Holz, Lautsprecher, Kabel und Audio-CD
2'3'', Loop
Ø 140 cm
Courtesy: Museum Folkwang, Essen

Steht man unter dem überdimensionalen Filzhut, so ist eine mitunter anklagende Stimme zu hören, die sich immer wieder selbst widerspricht. Nicht nur die Größe des Hutes, sondern auch die gesprochenen Sätze „machen klein“, lassen einen im nächsten Moment aber auch wieder „wachsen“. Die Arbeit spielt mit der Macht, die das Gesagte und unsere Umgebung auf uns haben, und wie sehr sie unsere Selbstwahrnehmung beeinflussen.

Dieser Hut beschirmt, schwebt aber zugleich bedrohlich über den Köpfen der BetrachterInnen. Es ist die Verfremdung eines vermeintlich harmlosen Objekts mit dem Stephan Huber das Bekannte brüchig werden lässt. Der Bildhauer und Objektkünstler arbeitet oft mit autobiografischen Motiven, sozialen und seelischen Zuständen und transformiert diese in eindringliche, emotional erfahrbare, zugleich aber auch universell verständliche Installationen.

*1952 in Lindenberg (DE), lebt und arbeitet in München & Ostallgäu.
www.stephanhuberkunst.de

Photo: Otto Saxinger

INDRA. (DE)

Lounge, 2017

Installation
Collage, Mischtechnik / mixed media
Größe variabel
2 Gemälde: Badenixen, 90 x 70 cm; der Schrank, 170 x 130 cm, Öl auf Leinwand
Courtesy: Brunnhofer Galerie, Linz

Was wäre, wenn Alice nach ihrem Sprung ins Kaninchenloch durch andere Türen gegangen wäre? In der komplexen Wandarbeit Lounge greift die Künstlerin die traumhaften, absurden und paradoxen Elemente der Geschichte von Alice im Wunderland auf und erweitert diese um mögliche imaginäre Szenen. In ihren großformatigen Malereien zeigt sie fiktive Orte, in denen realistische und surreal anmutende Elemente rätselhaft nebeneinander stehen. Die Lücken zwischen den Bildern sollen zum Öffnen weiterer Türen in andere Realitäten anregen.

So finden sich auf den miteinander im Dialog stehenden Bildern überraschende Details, eigensinnige Arrangements und subtile Ungereimtheiten, welche unsere Vorstellung von der Zusammensetzung der Wirklichkeit infrage stellen, aber auch auf die Komplexität der Welt hinweisen. Es bleibt unbestimmt, ob sich das, was in diesem traumhaften Aufenthaltsraum zu sehen ist, gerade auflöst, transformiert oder erst im Entstehen ist.

*1977 in Heidelberg (DE), lebt und arbeitet.
www.indra-s.net

Photo: Otto Saxinger

Katharina Karner (AT)

Luck is a Lady – Chirpy ­Chirpy Cheep Cheep, 2014

Gemälde
Öl auf Leinwand
140 x 105 cm
Courtesy: Brunnhofer Galerie, Linz

Hat die Herzogin aus Alice im Wunderland in einem Feuerball nun selbst den Kopf verloren? Verdreht und surreal erscheint Katharina Karners assoziative, malerische Auseinandersetzung mit einem herrschaftlichen Porträt des 19. Jahrhunderts. Humorvoll setzt hier ein feuerspeiender Godzilla-Papagei-Hybrid die verfremdete Person in Szene. Auch die realistische Darstellung ist in Auflösung begriffen, wenn die Handschuhe in reinem Schwarz ausfließen und der Vorhang in ein flächiges Ornament übergeht. Karner bricht bewusst mit der klassischen Tradition und der Meisterlichkeit der Malerei und übersteigert auch den Kitsch lustvoll bis ins Groteske.

Flankiert von exotischen Pflanzen löst sich die malerische Illusion des Raums in der Fläche und reinen Form auf. Zwischen Naturdetails und bühnenartigen Raumfragmenten zur Repräsentation gebracht, folgt das Vorbild der Alexandrine von Baden, des deutschen Malers Paul Emil Jacobs, dem Kanon der Portraitdarstellung. Wie in vielen ihrer Arbeiten greift Katharina Karner auf Vorlagen aus der Kunstgeschichte zurück und bringt unterschiedliche kulturelle Versatzstücke in einem intuitiven malerischen Prozess in neue, oft irritierende Zusammenhänge. Wobei ihr der Humor als Rutsche in eine offene Lesart und zur Demaskierung gesellschaftlicher und ästhetischer Normen dient.

*1983 in Wien (AT), lebt und arbeitet dort.

Photo: Otto Saxinger

Mischa Kuball (DE)

Space-Speech-Speed 1998/2017

Installation
3 Spiegelkugeln, 3 Projektoren, 2 Deckenmotoren, 3 Dias
Courtesy: Zentrum für Internationale Lichtkunst

Eine Kombination von Raum, Licht, Zeit und Kommunikation erfüllt den Dachstuhl der Ursulinenkirche. In diesem Spiel tanzender Reflexionen, die sternengleich über die Wände ziehen, bilden sich auch lesbare Zeichen ab: Der Künstler fordert die BesucherInnen dazu heraus, aus den einzelnen Fragmenten Worte zusammenzufügen und somit eine neue Ordnung zu schaffen und Sinn zu stiften: Space-Speech-Speed.

Ausgerechnet „Speed“, die Geschwindigkeit, bleibt als einziger Schriftzug unbewegt und statisch ablesbar ‒ ein weiteres verwirrendes Element, mit dem Mischa Kuball uns hier ganz absichtlich die Orientierung verlieren lassen möchte. Charakteristisch für seine Arbeitsweise, bezieht er auch bei dieser beweglichen Projektion Umgebung und BetrachterInnen gleichermaßen mit ein. Er fordert uns auf, uns selbst und die eigene Position im Raum zu definieren. In seinen raumgreifenden Installationen verhandelt der Künstler aber auch die Charakteristika des Lichts: Es strahlt an und macht sichtbar, es überstrahlt und macht unkenntlich ‒ und steht damit immer auch für einen sozialen Prozess.

*1959 in Düsseldorf (DE), lebt und arbeitet dort.
www.mischakuball.com

Photo: Otto Saxinger

Claudia Larcher (AT)

YAMA, 2010

Videoanimation
HD, 16:9, 8', Loop
Courtesy: Galerie 22,48 m², Paris; Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz; Galerie Raum mit Licht, Wien

Tatami-Zimmer und Shōjis (verschiebbare Raumteiler) treffen hier auf Kimono und Kois (Karpfen): Yama (japanisch: Berg) ist eine fiktive Kamerafahrt durch ein traditionelles japanisches Haus. Seltsam entrückt und geisterhaft, mitunter auch skurril, wirken die Fragmente der einzelnen Räume, die von der Künstlerin selbst einst bewohnt wurden und die in dieser Videocollage zu subjektiven Erinnerungsräumen zusammenfügt werden.

Yama ist eine weitere Studie Claudia Larchers über die komplexen Beziehungen zwischen Innen und Außen, Vergangenheit, Erinnerung und Traum. Die Räume, mit denen sie sich in ihren Arbeiten auseinandersetzt, sind stets einerseits topographische Gegebenheiten und andererseits mit Heimatgefühl, Vertrautheit und Erinnerung verbundene Vorstellungsräume.

*1979 in Bregenz (AT), lebt und arbeitet in Wien.
www.claudialarcher.com


Andrea Loux (CH)

Bunny, 2006 | Nightmare, 2017 | My Box is my Castle 2001/2017

Bunny, 2006
Installation
Briefkastenschlitz, ausgestopfter Hase
28 x 25 x 8 cm
Courtesy: Galerie Bernhard Bischoff & Partner, Bern

Nightmare, 2017
Installation
Antike Babyschuhe, weiße Lederhandschuhe, Holzschemel, Ventilator
Größe variable
Courtesy: Andrea Loux

Die beiden Arbeiten Bunny und Nightmare sind nur durch ein Guckloch in der Tür zu sehen. Der Hase – vielleicht auf der anderen Seite bereits im Wunderland – ist eingeklemmt zwischen dem „Hier“ und dem „Drüben“. Auf tragisch-komische Weise erzählt er vom Scheitern und gleichzeitig vom unerschrockenen und mutigen Aufbrechen ins Unbekannte.

Mit Hasenfell gefütterte Babyschuhe und gespenstisch zum Leben erweckte Handschuhe spielen auf den weißen Hasen in Lewis Carrolls Wunderland an und erinnern an das beklemmende Gefühl, sich im Traum nicht fortbewegen zu können.

Bunny gehört zu Louxs Serie Corpus Delicti (Beweisstück und Körper des Verbrechens), deren Versatzstücke gleichzeitig Kunstobjekte und Requisiten in ihren Videoinstallationen sind. Es handelt sich dabei um irritierende Kombinationen und hybride Verbindungen von Fragmenten präparierter Tiere und Alltagsgegenständen.

My Box is my Castle:
Videoinstallation
Größe variabel
12', Loop
Courtesy: Galerie Bernhard Bischoff & Partner, Bern

(Abbildung)

In den Arbeiten von Andrea Loux geht es um die Spannung zwischen Anpassung und Grenzüberschreitung: wie der Mensch versucht Platz zu finden, physisch und als soziales Wesen. Das Video zeigt eine überdimensionale Frau, die den engen Rahmen einer Kiste körperlich auslotet.

Sie lässt sich geschmeidig, doch unbeholfen in diese verschobene Dimension hineingleiten, findet eine bequeme Position, um einen Moment später wieder herauszusteigen. Die Frau ist ganz bei sich, die Bilder kreisen um sich selbst, überlagern sich und rücken das Geschehen vom Betrachter weg. „Ihr Mund ist rot und stumm – die Prinzessin bewohnt ihr Schloss allein.“ (Andrea Loux)

*1969 in Bern (CH), lebt und arbeitet dort.

Photo: Otto Saxinger

Frank Louis (DE/AT)

Überfluss, 2016–2017 | Cumulus inter Turres, 2017

Überfluss, 2016–2017
Installation
Steinzeugton, Glasur, Plastikwannen
Serie von 14 Einzelobjekten
19 x 40 x 40 cm und /30 x 73 x 51 cm
(Abbildung)

Die Arbeit mit dem Titel Überfluss besteht aus einer Serie von gefundenen Plastikwannen und Gefäßen, in denen Objekte liegen, die in ihrer organischen Struktur vielleicht an Gedärme erinnern. Die amorphen Formen sind mit bunten Glasuren überzogen, wie sie im Hobbybereich der Keramik verwendet werden. Aufgrund ihrer glänzenden Farbigkeit erscheinen sie faszinierend schön und abstoßend hässlich zugleich.

Frank Louis arbeitet als Bildhauer assoziativ und setzt durchaus humorvoll Objekte und Materialien in einen neuen Zusammenhang. Konträre Elemente, Formen und Oberflächen werden spannungsreich in Beziehung gesetzt. Wobei der Werkstoff Keramik aufgrund seines vielfältigen Einsatzes immer eine Konstante seiner raumgreifenden Installationen ist.

Cumulus inter Turres, 2017

Installation
Steingutton, Glasur, Flugzeug-Sicherheitsgurte
89 x 126 x 25 cm
Auftragsarbeit: OÖ Kulturquartier

Wolkenformationen sind Sinnbilder des Flüchtigen und Ungreifbaren, die unsere Fantasie mit auf eine Reise nehmen. Für die Arbeit Cumulus inter Turres wurde eine Wolke aus Ton – also aus schwerer, dichter Materie ‒ geformt, glasiert und gebrannt. In der Ausstellung wird sie im Glockenturm der Ursulinenkirche mit Flugzeug-Sicherheitsgurten an der Wand in Schwebe gehalten. Sicher würde sie davonziehen, wenn die Sicherheitsgurte sie nicht zurückhielten.

Frank Louis arbeitet mit dem Unbestimmten und setzt konträre Objekte und Materialien in Beziehung. In der Zusammenstellung formt sich seine skulpturale Arbeit und hält die Aussage, wie bei der festgezurrten Wolke, in einer spannungsreichen Schwebe. Er verrückt Alltagserfahrungen und formt, wie hier aus dem Gegensatz von leicht und schwer, Materie und Flüchtigem, ein offenes Sinnbild.

*1966 in Hannover (DE), lebt und arbeitet in Linz (AT).
www.franklouis.de

Photo: Otto Saxinger

Haruko Maeda (JP/AT)

Selbstporträt mit totem ­Hasen und Blumen, 2010

Malerei
Öl auf Leinwand, 75 x 75 cm
Courtesy: Privatsammlung

Das Selbstporträt mit totem Hasen und Blumen verweist auf die barocken Begriffe Vanitas (Nichtigkeit des menschlichen Lebens) und Memento mori (Bedenke, dass du sterben musst). Haruko Maeda will darin lebende sowie tote Zustände darstellen. Wer mit offenen Augen durch den Alltag geht, wird immer wieder auf dieses Nebeneinander von Lebensfreude und Hinweisen auf den unvermeidlichen Tod, den es zu akzeptieren gilt, stoßen.

Die Schönheit in Hässlichkeit und Furcht spielt eine wichtige Rolle in den Arbeiten der Künstlerin. Fragen nach Existenz, Leben und Tod, sowie persönliche Geschichten und eigens interpretierte historische Ereignisse sind zentrale Themen ihrer Arbeit.

*1983 in Tokyo (JP), lebt und arbeitet in Wien und Linz (AT).


Nicolas Mahler (AT)

Alice in Sussex / Kratzbaum 2017

Installation
Holzkonstruktion, 250 x 60 x 250 cm
7 Skulpturen (Alice, Katze, Nasenball, Maus, Noppenball, Wurm, Brunnen) aus Pappmaché, verschiedene Maße, handbemalt Acryl glänzend, angefertigt von Siegfried Böttcher nach Miniaturskulpturen von Nicolas Mahler

Motive aus dem Comic Alice in Sussex (frei nach Motiven aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ und H.C. Artmanns „Frankenstein in Sussex“) werden als Skulptur in den Raum verfrachtet. Anders als in der Originalgeschichte befindet sich diese Alice nicht im Wunderland, sondern in einem Haus tief unter der Erde und bewegt sich in einer gefährlichen, aufregenden und unberechenbaren Welt.

Dort begegnet sie in verschiedenen Stockwerken den bekannten Schöpfungen Lewis Carrolls: der pfeiferauchenden Raupe, der grinsenden Katze, der Suppenschildkröte und anderen mehr. Wiederholt werden von diesen Kreaturen die Schrecknisse der Kindheit und Jugend angesprochen. Als Alice, im Erdgeschoss des Hauses angekommen, Frankensteins Monster begegnet, erwacht sie aus ihrem schrecklichen Traum. Nicolas Mahler betätigt sich als klassischer Witzezeichner und Produzent von Cartoons, aber auch ganzer Serien und albenfüllender Geschichten.

*1969 in Wien (AT), lebt und arbeitet dort.
www.mahlermuseum.com

Photo: Otto Saxinger

Werner Reiterer (AT)

Ewiges Leben, 2017 | Waiting for Nihilism, 2017 | 2-/4-dimensionaler Heiligenschein, 2017

Ewiges Leben, 2017
Installation
LED-Kette, Schlauch, Elektronik
180 x 180 x 7 cm
Technische Assistenz: Thomas Sandri

Waiting for Nihilism, 2017
Installation
Technisches Equipment, Holz, Lack
27 x 450 x 650 cm
Technische Assistenz: Thomas Sandri
Tontechnik: Christoph Amann
Auftragsarbeiten: OÖ Kulturquartier

2-/4-dimensionaler Heiligenschein, 2017
Zeichnung
70 x 50 cm
Courtesy: Galerie Ursula Krinzinger, Wien

Ein riesiges Podest für … Nichts? Bei allem angebrachten Skeptizismus sind hier doch definitiv Schritte zu hören. Waiting for Nihilism erscheint durchaus als Aufforderung von Werner Reiterer nicht andachtsvoll zu verharren, sondern die leere Bühne zu nutzen und selbst in die Rolle des Performers zu schlüpfen und Teil der Installation zu werden. Wäre da nicht auch noch der überdimensionale Heiligenschein, der eine metaphysische Auseinandersetzung über sein Wesen als Symbol für das Göttliche, den Kreislauf des Lebens oder doch einfach als überdimensionaler Leuchtkörper anregt.

Die philosophische Richtung des Nihilismus gibt dem Individuum den Vorrang, fordert auf, seinen Trieben und Neigungen zu folgen, oder die gegebene Wirklichkeit, die Existenz einer Wahrheit und Gott als treibende Kraft dahinter anzuzweifeln. Kulturphilosophische Fragestellungen sind eine Konstante in Werner Reiterers skulpturalem Werk. Entgegen sperriger Kunstrezeption reicht er uns humorvoll die Hand, um in seine vielschichtigen Werke einzusteigen und über die erste Interaktion hinaus auf tieferen Erkenntnisgewinn zu stoßen.

*1964 in Graz (AT), lebt und arbeitet in Wien.

Photo: Otto Saxinger

David Reumüller (AT)

Verhältnis o.T., 2017

Installation
Aluminium, Glas, Computergesteuerte LED-Beleuchtung / glass, computer controlled LED lighting, 290 x 320 x 300 cm
12 C-prints, Videostills einer Performance mit / video stills of a performance with Dorit Chrysler, 20 x 30 cm je / each
Komposition / composition: Muscle Tomcat Machine (Bernd Heinrauch, Manfred Engelmayr, David Reumüller, 2´22´´

Ein zu groß geratener Glasluster sprengt nahezu die Dimensionen des Raums. Gefährlich tief hängend erhellt er für Bruchteile von Sekunden Fotos: Eine Frau sucht zwischen abgedecktem Mobiliar nach ihrer eigenen Position und bringt sich schließlich mit einem Tuch selbst zur Auflösung. David Reumüller geht es um den Zusammenhang zwischen individueller Wahrnehmung, Traum, Fiktion und Projektion.

Das unstete Flackern wird durch eine Komposition von Muscle Tomcat Machine auditiv verdichtet. In seinen Arbeiten untersucht er die Beschaffenheit von individueller und kultureller Identität mittels Dekonstruktion von Abbild und generierten Images. Verhältnis o.T. schildert fragmentarisch eine Geschichte, es bleibt den BesucherInnen überlassen, darin einen möglichen Erzählstrang zu finden.

* 1979 in Gaal (AT), lebt und arbeitet in Graz.
www.david.reumueller.com

Photo: Otto Saxinger

Pipilotti Rist (CH)

Deine Raumkapsel (Your ­Space Capsule), 2006

Video Audio Installation
in einer Holzbox, Mischtechnik
113 x 84 x 120 cm
Video
9'59"
Edition von 3 + 1 AP + 1 EP
Courtesy: Hauser & Wirth Collection, Schweiz

Durch den angehobenen Deckel wird den BesucherInnnen Einblick in eine sehr private Szenerie gewährt: Ist dieses Miniatur-Zimmer in einer Transportkiste etwa bewohnt? Oder haben seine BewohnerInnen es erst vor kurzem verlassen? … sogar die Pizzaschachtel liegt noch da. Die Künstlerin lädt uns ein, in eine Miniaturwelt einzutauchen, die Erinnerung oder Traum sein könnte – eine ganz persönliche Raumkapsel als mobiler Rückzugsort vor der Wirklichkeit.

Die Video- und Objektkünstlerin Pipilotti Rist verknüpft hier auf poetische Weise die apparativen Besonderheiten von Guckkasten und Kino. Bekannt ist die Schweizer Künstlerin vor allem für ihre traumhaften, von einem fröhlichen Anarchismus geprägten, Multi-Media-Settings. Ihre heiter bis melancholischen Inszenierungen illustrieren sinnlich und farbenfroh unsere Träume, persönlichen Erinnerungen und den Zustand der Welt.

*1962 in Grabs (CH), lebt und arbeitet in Zürich und Neuenburg.

Photo: Otto Saxinger

Esther Stocker (AT)

Warum betreten wir Räume? 2017

Installation
Holz, Klebeband
Courtesy: Galerie Krobath, Wien
Auftragsarbeit: OÖ Kulturquartier

Mit ihrem minimalistischen Eingriff im Gang des ehemaligen Ursulinenklosters stört die Künstlerin ganz bewusst das vertraute Raumsystem und hinterfragt damit die Funktionalität dieses Orts, oder vielmehr dieser Transitzone. Esther Stockers Arbeiten bewegen sich an den Grenzen zwischen Malerei, Raum und Objekt. Für ihre raumbezogenen Installationen bedarf es lediglich schwarzer, weißer oder grauer Linien, mit denen sie die strenge Reglementierung räumlicher Systeme auflöst, gewohnte Wahrnehmungsstrukturen durcheinanderbringt und vertraute Perspektiven stets aufs Neue verschiebt.

Mit dem Sog der Tiefe schafft die Künstlerin, die ursprünglich von der Malerei kommt, verräumlichte Bilder. Die vermeintliche Strenge, der für sie charakteristischen Geometrie, rechten Winkel und parallelen Strukturen, erscheint in den Raum übertragen als Verrückung und lustvolles Spiel mit dem Abstrakten, das sich eben gar nicht gegenstandlos sondern extrem konkret ausfaltet.

*1974 in Schlanders (IT), lebt und arbeitet in Wien.
www.estherstocker.net

Photo: Otto Saxinger

Annelies Štrba (CH)

Nyima 271, 2008 | Nyima 438, 2010 | Frances und die Elfen, 2004

Nyima 271, 2008 | Nyima 438, 2010
Aus der Serie: My Life Dreams
Pigmentdrucke auf Leinwand
125 x 185 cm je
(Abbildung)
Courtesy: Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin

Wie sphärisch entrückte Lichtgestalten muten die Mädchen an, welche die Künstlerin in ihren romantischen Traumlandschaften inszeniert. In tiefen Schlummer verfallen liegen sie sanft eingebettet in verwunschenen Märchenlandschaften wie Waldlichtungen, Blumenwiesen oder an Wasserfällen. „Ab- und aufgehoben träumen die Mädchen fast todessehnsüchtig vom Glück – eigentlich eine zutiefst romantische Angelegenheit“, schreibt Ilma Rakusa zu diesen Arbeiten.

Schlafende Mädchen oder Frauen sind ein immer wiederkehrendes Motiv im Werk der Künstlerin, meist Inszenierungen mit ihren eigenen Töchtern oder ihren Enkelkindern. Auch in den beiden großformatigen Fotografien aus der Serie My Life Dreams beschäftigt sie sich mit dem machtvollen Zustand von Traum, Schlaf und Bewusstlosigkeit und entführt uns in ein süßlich-morbides, schlaftrunkenes Wunderland.

Frances und die Elfen, 2004
Video
10'56", Loop

Annelies Štrba entführt in ihrem Video an märchenhafte Orte. Mädchenfiguren führen in eine mystische, unwirkliche Traumlandschaft, in der immer wieder schemenhaft ätherische Gestalten auftauchen, die eine Aura des Geheimnisvollen umgibt.

Die Landschaft, in der die Künstlerin ihre Protagonistinnen inszeniert, erinnert an romantische Märchen und Mythen. Die anmutigen, aber gespenstisch-entrückt wirkenden Gestalten scheinen ganz in ihr selbstvergessenes Spiel versunken und müssten doch jeden Moment wieder aus ihrem geträumten Wunderland erwachen.

*1947 in Zug (CH), lebt und arbeitet in Richterswil, Zürichsee.

Photo: Otto Saxinger

Kerry Tribe (US)

Here & Elsewhere, 2002

Zwei-Kanal Videoinstallation
Farbe, Ton
10' 30", Loop
Courtesy: the artist & 1301 PE, Los Angeles

In Here & Elsewhere stellt der britische Filmtheoretiker Peter Wollen seiner zehnjährigen Tochter Audrey eine Reihe philosophisch-existenzieller Fragen, die von dieser ganz unmittelbar und spontan, aber durchaus besonnen beantwortet werden. Aufnahmen vom Zuhause des Mädchens werden in dieser Doppelprojektion mit Außenaufnahmen der Stadt
Los Angeles verwoben; Innen- und Außenperspektive schieben sich in langsamen Kameraschwenks ineinander und lassen in die Gedankenwelt eines jungen Mädchens eintauchen.

Audreys Gedanken zu den nicht gerade einfachen Fragen über das Sein machen deutlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen von Zeit, Erinnerung und Identität sein können und wie gerade die kindliche Vorstellungswelt ein interessantes Licht auf die Komplexität unserer Welt wirft. Die Künstlerin bezieht sich in dieser Arbeit auf die Videoserie FRANCE / TOUR / DETOUR / DEUX / ENFANTS (1978) des französischen Filmemachers Jean-Luc Godard, der darin zwei Kinder über Philosophie und Ethik befragt.

*1973 in Boston (US), lebt und arbeitet in Los Angeles.
www.kerrytribe.com

Photo: Otto Saxinger

Martin Walde (AT)

Key Spirit, 1997/2017

Performative Interaktion
Wand, Türen, Schlüssel, Sound
Größe und Material variabel

Eine eigenartige und verwirrende Situation, in der sich die BesucherInnen hier plötzlich befinden: Ein leises Miauen, das hinter den Türen zu hören ist, lässt zwar erahnen, was sich dort verbirgt, was aber ist zu tun? Gerade weil man sich selbst „Zugang“ zu dieser Arbeit verschaffen könnte, eröffnet der Künstler den BesucherInnen mit Key Spirit sinnbildlich Türen zur eigenen Neugierde.

Seit den 1980er-Jahren lockt Martin Walde BetrachterInnen jeden Alters in seine Gedankenlabyrinthe, lässt sie Rätsel lösen und in humoristische Fallen tappen. Nicht nur die Installation an sich, sondern auch die Reaktionen der mit ihr interagierenden BesucherInnen verweisen auf „Schrödingers Katze“ und eine Überlagerung von Möglichkeiten und Zuständen.

*1957 in Innsbruck (AT), lebt und arbeitet in Wien.
www.martinwalde.at

Photo: Otto Saxinger

Roland Wegerer (AT)

WHITE_BOX_OPEN_SPACE 2016

Social Media (Instagram), Video, Fotografie, Modell
Auftragsarbeit: OÖ Kulturquartier

Seit 2016 postet der Bildhauer und Performancekünstler Roland Wegerer wöchentlich jeweils zwei unterschiedliche Installationsansichten seines WHITE_BOX_OPEN_SPACE auf Instagram und Facebook. Im Rahmen des SINNESRAUSCH führt er seine Serie thematisch fort und verlagert den Ausstellungsparcours damit auch in den virtuellen Raum. In der Online Galerie verschieben sich die Größenverhältnisse und Alltagsobjekte werden allein durch ihre Positionierung zum Ausstellungstück erhoben. Die eigentliche Kunst, in diesem Spiel zwischen Realität und Abbild, ist jedoch das digitale Bild, dessen Rezeption und seine Verbreitung.

WHITE_BOX_OPEN_SPACE ist in der Ausstellung auf einem Tablet, im Web über die Website des OÖ Kulturquartiers und als Instagram-Direktlink zu finden.

WHITE_BOX_OPEN_SPACE ist ein lustvolles Experiment mit Bedeutungsverschiebungen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kunstsystem: Wahrnehmung, Geltung und Erfolg sind hier nur eine Frage von Dimension und Perspektive. In seinem Projekt thematisiert Wegerer Aspekte des Kunstbetriebs und die Gesetzmäßigkeiten des vermeintlich neutralen White Cube. Zugleich lotet er spielerisch das Potential der Sozialen Medien zur Selbstermächtigung Kunstschaffender aus.

*1974 in Amstetten (AT), lebt und arbeitet in Linz und St. Nikola.
www.rolandwegerer.com

Photo: Otto Saxinger

Maria Bichler & Ulrich Lantzberg (AT)

Singularität, 2017

Ein sich horizontal erstreckender Raum der Unendlichkeit entsteht im Guckkasten von Maria Bichler & Ulrich Lantzberg. Wie Alice tritt man, wie im Traum, hinter die Spiegel und hinein in eine Welt, die das Vertraute hinterfragt. Eine blonde Strähne auf blauem Boden scheint uns von Alices Kleid bekannt zu sein und erzählt uns in dieser Inszenierung doch eine andere Geschichte.

Maria Bichler *1989 in Schwaz in Tirol (AT), lebt und arbeitet in Linz und Maurach am Achensee. www.mariabichler.at
Ulrich Lantzberg *1985 in Graz (AT), lebt und arbeitet in Linz.

Maria Bichler & Ulrich Lantzberg (AT)

Fatma Nur Özgul (CY/AT)

Mad Watch, 2017

Um die verdrehte Welt von Alice zum Ausdruck zu bringen, setzt die Künstlerin in Mad Watch (die um zwei Tage nach geht) das absurde Zeitverständnis des verrückten Hutmachers mit dem weißen Hasen (der immer zu spät kommt) aus der Erzählung von Lewis Carroll in Beziehung. Mit analogen und digitalen Uhren thematisiert die Soundinstallation die Vergänglichkeit der Zeit.

*1990 in Nikosia (CY), lebt und arbeitet in Linz.

Fatma Nur Özgul (CY/AT)

Yara Lettenbichler (AT)

Alice reist ins Zaubermeer, 2017

In dieser farbenfrohen, glitzernden Fantasiewelt verwendet Yara Lettenbichler Strukturen, die an eine abstrakte Unterwasserwelt erinnern. Da die Figur von Alice die Reise ins Wunderland in ihrer eigenen Gedankenwelt erlebt, sollte es ihr möglich sein, an jeden erdenklichen Ort reisen zu können – und somit auch in eine Unterwasserwunderwelt.

*1991 in Kufstein (AT), lebt und arbeitet in Linz.
www.yaralettenbichler.com

Yara Lettenbichler (AT)

Aimilia Liontou (AT)

Infinity Cube, 2017

Aimilia Liontou testet die Grenzen zwischen der Realität und einer imaginären Welt aus und spielt mit der räumlichen Wahrnehmung. Als würde man in die Unendlichkeit blicken, lässt der Würfel die Illusion entstehen, der Raum hätte keine Grenzen und entführt die BetrachterInnen in eine endlose, leuchtende Welt.

*1991 in Athen (GR), lebt und arbeitet in Linz.

Aimilia Liontou (AT)

Melanie Ludwig (AT)

Physical Education, 2016

Im Animationsfilm Physical Education scheinen die Meereswesen eher dem Rhythmus der Musik als den Gesetzen der Evolution zu folgen.

*1985 in Linz, lebt und arbeitet in Linz.
www.melanie-ludwig.com

Melanie Ludwig (AT)

Rika Tadokoro (JP/AT)

Naschkätzchen, 2017

Rika Tadokoro entführt über ihre akribisch zusammengestellten und detailliert inszenierten Bildwelten aus Alltagsgegenständen in eine surreale Wunderwelt aus Puppen, Glas, Bonbons, Tapetenresten, Stoffen, Spitze oder Puppen-Möbeln. Sie stellt Bilder aus unterschiedlichen Materialien in ungewöhnlichen Räumen zusammen, indem sie diese zu einer fantastisch anmutenden Collage inszeniert.

*1988 in Tokio (JP), lebt und arbeitet in Linz.

Rika Tadokoro (JP/AT)

Ilona Stuetz (AT)

Blanche, 2017

Was ist Traum und was ist Wirklichkeit? Wo verschwimmen die Grenzen?
In ihrem mit Fineliner gezeichneten Animationsfilm greift Ilona Stuetz die klassischen Stilmittel des Film Noir auf und setzt die Themen damit graphisch in Szene. In Blanche baut sich ausgehend von der Alltagserfahrung einer dampfenden Tasse Tee oder Kaffee, die „Realität“ einer Stadt mit ihren Grenzen, Handlungsräumen und Rückzugsmöglichkeiten auf.

*1989 in Linz, lebt und arbeitet in Linz.
www.illustworkspace.wordpress.com

Ilona Stuetz (AT)

Dimitrios Vellis (GR/AT)

You see?, 2017

In meiner Welt, da wäre alles ganz anders.
Nichts wäre so, wie es jetzt ist.
Wenn alles so wäre, wie‘s jetzt nicht‘s.
Und andersrum: Was jetzt nicht ist, würde dann sein,
Und was nicht sein würde, wird es jetzt. (Lewis Carroll)

Diese Textpassage ist für Dimitrios Vellis bezeichnend für Lewis Carrolls gedankliches Universum. Für ihn persönlich ist sie zu einer inspirierenden Hypothese für sein eigenes Leben geworden.

*1983 in Hannover (DE), lebt und arbeitet in Linz.

Vellis

BestOf 2017 Guckkästen

BestOf 2017 Guckkästen

Studierende und AbsolventInnen der Kunstuniversität Linz:
Maria Bichler & Ulrich Lantzberg / Yara Lettenbichler / Aimilia Liontou / Melanie Ludwig / Fatma Nur Özgul / Ilona Stuetz / Rika Tadokoro / Dimitrios Vellis
8 Guckkästen aus Holz
40 x 40 cm je
in Kooperation mit der: Kunstuniversität Linz
Auftragsarbeit: OÖ Kulturquartier

Wie das Panorama, Diorama oder Stereoskop zählt auch der Guckkasten zu einem frühen Vorläufer des Kinos. Studierende der Kunstuniversität Linz bespielen nun zum Thema ALICE ver­drehte Welt ebensolche Guckkästen. Die acht, von einer Jury ausgewählten Projekte, gewähren Einblicke in unterschiedlichste, fantastische (Miniatur-)Welten. Das Projekt ist Teil von
BestOff 2017, der Leistungsschau der Kunstuniversität Linz, welche die Kulturtankstelle als Labor und Schnittstelle zum urbanen Raum im OÖ Kulturquartier eröffnet. Ausstellungsdauer: 6.11. – 3.12.2017.

Guckkästen gab es als optisches Spielzeug für Kinder zu Hause oder als Attraktion wandernder Schausteller für Erwachsene. Die „Guckkästner“ führten auf Kirtagen, Jahrmärkten oder im Prater geographische, naturkundliche und aktuelle Bilder vor. Das Publikum blickte durch eine Öffnung – im Kasten befanden sich neben den Darstellungen optische Linsen und Spiegel, mit deren Hilfe die Anmutung von Bewegung oder auch 3D-Effekte erzeugt werden konnten.

Photo: Otto Saxinger