5) Claudia Märzendorfer

smashed to pieces, 2018
Installation
Video
28'35", loop, 570 x 325 cm

still of the night, 2019
Installation
Video
28'35" loop, 570 x 325 cm
Commissioned by: OÖ Kulturquartier

Music Typewriter, 2012/2019
Temporäre Installation
Eisskulptur
Gefrorenes Wasser, Tinte, Notenpapier | frozen water, ink, music paper
50 x 35 x 20 cm

Fotografien
s/w auf Barytpapier, gerahmt in kupfereloxierten Alurahmen
je 51 x 71 cm

Musik entwickelt sich in der Dimension der Zeit. Flüchtigkeit und Vergänglichkeit sind zentrale Themen in Claudia Märzendorfers Skulpturen aus Eis und in ihren Videos über Instrumentenzerstörungen.
Als radikales Statement wurden performative Klavierzerstörungen schon oft in der Kunstgeschichte vorgenommen. Wenn Claudia Märzendorfer einen Flügel zerlegt, geht sie dabei weniger brachial als sehr konzentriert vor und macht in der filmischen Dokumentation den individuellen Nachhall des Musikinstruments sicht- und hörbar. smashed to pieces, 2018 zeigt, wie aus einem komplexen Instrument eine Ansammlung von Einzelteilen wird – lose Formen, ohne jegliche Funktion, liegen aufgereiht auf einem Schiffbrettboden, der in diesem Zusammenhang an die Linien eines leeren Notenblatts erinnert. In einer Neuproduktion schlägt Märzendorfer ein weiteres Kapitel aus der Geschichte der Instrumentenzerstörung auf und verhandelt ein (pop-)kulturell und künstlerisch ganz anders aufgeladenes Musikinstrument: die E-Gitarre. Sie verweist auf die bühnenwirksame, männlich-brachiale Geste ihrer Destruktion und verbindet die beiden Videos, indem sie den Klang der Klavierzerlegung über einen Gitarrenverstärker abspielt.

Auch die Eisskulptur Music Typewriter erzählt von der Auflösung von Objekt und Funktion und der Bedeutung des Faktors Zeit. Dabei bezieht sich die Künstlerin auf die 1909 von Arnold Schönberg entworfene Notenschreibmaschine. Sie reproduziert das Objekt aus eingefärbtem, gefrorenem Wasser und lässt es auf einem Stapel Notenpapier schmelzen.

Indem sie die Zeit als vierte Dimension ihrer bildhauerischen Arbeiten einführt, erweitert Claudia Märzendorfer den Skulpturenbegriff. Keine Werke für die Ewigkeit will sie produzieren, sondern unbeständige, vergängliche Momente schaffen und sich damit einer Effizienz-, Optimierungs- und Marktorientiertheit entgegenstellen.


* 1969 in Wien/AT, lebt und arbeitet in Wien/AT

claudiamaerzendorfer.com

Location: OÖ Kulturquartier (5)

Claudia Märzendorfer
Claudia Märzendorfer
4) Helena Martins-Costa 6) Constantin Luser